Meinung · 6 min · 20. April 2026

Warum dein Lieferservice auf Lieferando verzichten sollte

Lieferando nimmt bis zu 30 % Provision pro Bestellung. Was das für deine Marge wirklich bedeutet — und welche Alternative sich lohnt.

Lieferando ist für viele Lieferdienste der erste Schritt ins digitale Zeitalter. Schnell eingerichtet, große Reichweite, sofortige Sichtbarkeit. Was auf den ersten Blick überzeugend klingt, entpuppt sich nach einigen Monaten als strukturelles Problem: Du baust ein Geschäft auf, das einem anderen gehört.

Was 100 Bestellungen auf Lieferando wirklich kosten

Vereinfachtes Beispiel, Provision 22 % (Mittelwert)

Durchschnittlicher Bestellwert
28,00 €
Umsatz bei 100 Bestellungen
2.800,00 €
Lieferando-Provision (22 %)
− 616,00 €
Lieferkosten (eigener Fahrer)
− 350,00 €
Lebensmittelkosten (30 %)
− 840,00 €
Verbleibender Deckungsbeitrag
994,00 €
Deckungsbeitrag pro Bestellung
≈ 9,94 €

* Lieferando-Provision variiert je nach Paket zwischen 13 % und 30 %. Lieferkosten und Personalkosten nicht eingerechnet.

Knapp 10 € Deckungsbeitrag pro Bestellung klingt vertretbar — bis du davon Miete, Strom, Verpackung und deinen eigenen Lohn abziehst. Die Plattform verdient bei jedem Verkauf mit, ohne das Risiko zu tragen.

3 strukturelle Probleme mit Lieferando

Die Provision ist nur die offensichtlichste Baustelle.

Die Provision frisst deine Marge

Lieferando verlangt je nach Paket zwischen 13 % und 30 % auf jede Bestellung — ohne Wenn und Aber. Bei einem durchschnittlichen Bestellwert von 28 € bleiben dir nach Provision oft nur 19–24 € übrig. Ziehst du Lebensmittelkosten (ca. 30 %) und Lieferkosten ab, arbeitest du schnell im Minus.

Deine Kunden gehören dir nicht

Auf Lieferando bestellen Kunden bei dir — aber Lieferando besitzt die Beziehung. Du bekommst keine E-Mail-Adressen, keine Telefonnummern, keine Möglichkeit zur direkten Kundenbindung. Wechselst du die Plattform, verlierst du den Zugang zu deiner eigenen Kundenbasis.

Preiserhöhungen treffen nur dich

Lieferando kann seine Provisionen jederzeit anpassen. Deine Verträge mit Lieferanten, dein Personal, deine Miete — all das hat Preise, die du kennst und planst. Deine Abhängigkeit von Lieferando gibt einer externen Partei dauerhaft Kontrolle über deine Marge.

Wann Lieferando trotzdem Sinn ergibt

Fairerweise: Lieferando hat einen echten Wert in der Anlaufphase. Wenn du gerade eröffnest und noch keine Stammkundschaft hast, kann die Plattform erste Bestellungen bringen. Als langfristige Strategie funktioniert es nur dann, wenn deine Marge das dauerhaft hergibt — und das ist in der Gastronomie selten der Fall.

Der Fehler ist nicht, Lieferando zu nutzen. Der Fehler ist, ausschließlich auf Lieferando zu setzen und nie eine eigene Infrastruktur aufzubauen.

Die Alternative: eigenes Bestellsystem

Ein eigenes Bestellsystem bedeutet nicht, auf Reichweite zu verzichten — es bedeutet, die Kundenbeziehung selbst in der Hand zu halten. Du betreibst deinen eigenen Webshop unter deiner Domain, behältst alle Kundendaten und zahlst keine Provision pro Bestellung.

  • Eigene Bestellseite unter deiner Domain — keine Provision pro Bestellung
  • Kundendaten gehören dir: E-Mail, Telefon, Bestellhistorie
  • Direkte Kundenbindung durch Push-Nachrichten und eigene Angebote
  • Transparente Fixkosten statt variables Provisionsmodell
  • Keine Abhängigkeit von Plattform-Algorithmen oder Sichtbarkeits-Rankings

Natürlich braucht das eigene Bestellsystem mehr Eigeninitiative beim Marketing: Du musst Kunden aktiv auf deinen Shop aufmerksam machen. Aber jeder Kunde, der einmal direkt bei dir bestellt, ist ein Kunde, dem Lieferando nie mehr 30 % abnimmt.

Fazit

Lieferando ist kein schlechtes Produkt — es ist das falsche Fundament für einen nachhaltigen Betrieb. Wer langfristig denkt, baut lieber jetzt eine eigene Infrastruktur auf, als in zwei Jahren festzustellen, dass 30 % seiner Einnahmen dauerhaft an eine Plattform fließen, auf der er keine Kontrolle hat.

Der erste Schritt kostet Überwindung. Der zweite Schritt zahlt sich aus.

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