Wer 2026 in Deutschland gastronomisch erfolgreich sein will, entscheidet sich nicht nur am Herd, sondern an der Kalkulationstabelle. Seit der Rückkehr der Mehrwertsteuer auf Speisen von 7 Prozent auf 19 Prozent im Januar 2024 und den parallel weiter gestiegenen Rohstoff- und Energiepreisen hat sich die durchschnittliche Food-Cost-Quote in der Vollgastronomie laut DEHOGA-Branchenberichten 2025 spürbar in Richtung 32 bis 35 Prozent verschoben — bei einigen Konzepten mit Fokus auf hochwertige Zutaten liegen die Werte sogar darüber. Und das ist brisant, denn jeder Prozentpunkt Food-Cost, den wir verschenken, schlägt direkt auf den Gewinn durch: Bei 500.000 EUR Jahresumsatz entspricht 1 Prozent Food-Cost rund 5.000 EUR Deckungsbeitrag — pro Jahr.
Wir sehen in unserer täglichen Arbeit mit Restaurants, Cafés und Pizzerien, dass viele Betriebe ihre Speisekarte seit Jahren mit denselben Aufschlagsfaktoren kalkulieren — obwohl sich Einkaufspreise, Energiekosten, Personalkosten und Mehrwertsteuer komplett verschoben haben. Wer heute nicht mindestens einmal pro Quartal nachkalkuliert, läuft Gefahr, mit jedem verkauften Teller Geld zu verlieren. Bei Gastro Master begleiten wir Gastronominnen und Gastronomen seit über einem Jahrzehnt durch genau diese Preisgestaltungs-Prozesse — und haben gelernt: Die besten Karten sind nicht die günstigsten oder die teuersten, sondern die durchgerechneten.
In diesem Ratgeber zeigen wir, wie Ihr Eure Speisekarte 2026 so kalkuliert, dass Food-Cost, Margen, MwSt und psychologische Preisanker zusammenpassen — und welche Rolle Menu Engineering, Rohstoff-Puffer und digitale Kassensysteme dabei spielen.
Das Wichtigste auf einen Blick Das Wichtigste in 5 Punkten
- Ziel-Food-Cost-Quote 2026: Je nach Konzept 25 bis 35 Prozent vom Netto-Umsatz der Speisen — Fine Dining eher 30 bis 38 Prozent, Systemgastronomie 25 bis 30 Prozent, Pizzerien häufig unter 28 Prozent (Quelle: DEHOGA-Benchmarks, AHGZ-Branchenreports 2025).
- Aufschlagsfaktor: In der klassischen Gastronomie rechnet man mit dem 3- bis 5-fachen des Wareneinsatzes netto — als Faustregel, nicht als Gesetz.
- MwSt-Kalkulation 2026: 19 Prozent auf Speisen und Getränke im Restaurant, 7 Prozent nur bei Take-away/Lieferung von Speisen (Details in unserem MwSt-Gastronomie-Ratgeber).
- Menu Engineering: Jede Position lässt sich in Stars, Plowhorses, Puzzles oder Dogs einordnen — und entsprechend promoten, repreisen oder streichen.
- Digitale Kalkulation: Moderne Kassensysteme mit Reporting zeigen Food-Cost je Gericht live — manuelle Excel-Listen sind 2026 Auslaufmodell.
Inhaltsverzeichnis
- Warum Speisekarten-Kalkulation 2026 zur Überlebensfrage wird
- Welche Food-Cost-Quote ist gesund?
- Wie berechnet man den Verkaufspreis richtig?
- Menu Engineering: Die Matrix der Karten-Optimierung
- Der 5-Schritte-Kalkulations-Workflow
- Beispielrechnung: Pasta mit Food-Cost 28 %
- 12 häufige Fragen aus der Praxis
- Fazit: Kalkulieren ist keine Kür, sondern Pflicht
Warum Speisekarten-Kalkulation 2026 zur Überlebensfrage wird
Die Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) sprechen eine deutliche Sprache: Die Erzeugerpreise für Lebensmittel in Deutschland sind zwischen Januar 2023 und Ende 2025 kumuliert um rund 15 bis 20 Prozent gestiegen, wobei einzelne Warengruppen wie Olivenöl, Kakao, Käse und Fleisch teils zweistellige Preissprünge allein innerhalb der Jahre 2024 und 2025 verzeichneten (Quelle: Destatis Erzeugerpreisindex, BMEL Lebensmittelpreis-Monitor). Parallel ist der Mindestlohn laut Mindestlohnkommission zum 1. Januar 2026 auf 13,90 EUR gestiegen — mit Folgewirkung auf Tarife bis in die Mittelkategorie hinein (mehr dazu in unserem Mindestlohn-Ratgeber).
Für die Gastronomie bedeutet das: Wer 2023 ein Gericht mit 6 EUR Wareneinsatz kalkuliert hat, kocht es 2026 vermutlich mit 7,20 bis 7,80 EUR — ohne Lohn- und Energiemehrkosten einzurechnen. Wenn der Verkaufspreis seitdem nicht angepasst wurde, ist die Food-Cost-Quote entsprechend gestiegen und die Marge geschrumpft.
Stat-Callout #1: Laut DEHOGA-Konjunkturumfrage Herbst 2025 bezeichneten 68 Prozent der befragten Gastronominnen und Gastronomen ihre wirtschaftliche Lage als schlecht oder sehr schlecht — die Wareneinsatzkosten und Personalkosten werden als zwei wichtigste Belastungsfaktoren genannt.
Hinzu kommt die MwSt-Vollbesteuerung auf Speisen im Restaurant seit 2024: Während in der Take-away-Variante weiter 7 Prozent MwSt gelten, sind es im Haus 19 Prozent. Wer das in der Kalkulation nicht sauber trennt, verschenkt zwischen 5 und 11 Prozent Marge. Parallel laufen Zahlungsgebühren (Kreditkarten, Giropay, Apple Pay) auf viele Betriebe zu, die häufig zwischen 0,8 und 2,5 Prozent vom Brutto-Umsatz liegen — ein Posten, der in klassischer Kalkulation oft vergessen wird (unsere Transaktionsumlage als Add-On zeigt, wie Betriebe diese Kosten transparent einpreisen).
Falsche Kalkulation ist kein kosmetisches Problem. Sie ist die häufigste Ursache, warum gastronomische Betriebe trotz voller Tische unrentabel werden.
Welche Food-Cost-Quote ist gesund?
Die Food-Cost-Ratio (auch Wareneinsatzquote) zeigt den Anteil des Wareneinsatzes am Netto-Umsatz eines Gerichts oder einer Warengruppe:
Food-Cost-Ratio = (Wareneinsatz netto / Netto-Umsatz) × 100
Branchenübliche Zielwerte liegen nach DEHOGA-, Statista- und AHGZ-Benchmarks 2025/2026 in diesen Korridoren:
| Konzept | Food-Cost-Quote (netto) | Bemerkung |
|---|---|---|
| Pizzeria / Italienisch-klassisch | 22–28 % | Hoher Anteil günstige Rohstoffe |
| Bistro / Café mit Mittagskarte | 28–32 % | Frische Produkte, hohe Varianz |
| Vollgastronomie / Restaurant | 30–35 % | Klassische Mittelkategorie |
| Fine Dining / Gourmet | 32–40 % | Hochwertige Produkte, Ausgleich über Getränke |
| Systemgastronomie / QSR | 25–30 % | Standardisierung, Zentraleinkauf |
| Getränke (alle Konzepte) | 18–25 % | Typischerweise niedriger als Speisen |
Die Zahlen sind Orientierung, keine Dogmen. Ein Sternerestaurant mit 40 Prozent Food-Cost auf Speisen kann profitabel sein, wenn Weine und Menü-Packages die Mischkalkulation stützen — ein Burgerladen mit 40 Prozent Food-Cost dagegen kaum.
Wie berechnet man den Verkaufspreis richtig?
Die klassische Formel der Zuschlagskalkulation lautet:
Netto-Verkaufspreis = Wareneinsatz netto × Aufschlagsfaktor
Brutto-Verkaufspreis = Netto-Verkaufspreis × (1 + MwSt-Satz)
Der Aufschlagsfaktor ergibt sich rechnerisch aus der Ziel-Food-Cost-Quote:
- Ziel-Food-Cost 25 % → Aufschlagsfaktor 4,0
- Ziel-Food-Cost 30 % → Aufschlagsfaktor 3,33
- Ziel-Food-Cost 33 % → Aufschlagsfaktor 3,0
- Ziel-Food-Cost 35 % → Aufschlagsfaktor 2,86
In der Praxis arbeiten viele Betriebe mit Aufschlagsfaktoren zwischen 3 und 5 — je nach Konzept, Region und Gericht. Wichtig: Der Aufschlagsfaktor deckt nicht nur den Gewinn, sondern Personal, Miete, Energie, Abschreibungen, Versicherungen, Schwund und GEMA. Wer 3x rechnet, lässt oft kaum Luft für Gewinn, wer 5x rechnet, läuft Gefahr, bei Ø-Gästen preislich uninteressant zu werden.
Was bedeutet Menu Engineering für die Karte?
Menu Engineering ist ein Modell, das Kasaravelo & Smith (Cornell University) bereits in den 1980er Jahren populär gemacht haben und das heute zum Standard-Werkzeugkasten profitabler Betriebe gehört. Jede Position der Karte wird zweidimensional bewertet:
- Popularität (wie oft verkauft sie sich relativ zur Karte?)
- Deckungsbeitrag (wie hoch ist der Ertrag pro Stück?)
Daraus ergeben sich vier Felder:
| Feld | Popularität | Deckungsbeitrag | Strategie |
|---|---|---|---|
| Stars | hoch | hoch | Prominent platzieren, Preis testen |
| Plowhorses | hoch | niedrig | Rezeptur/Portion optimieren, sanft repreisen |
| Puzzles | niedrig | hoch | Besser platzieren, verkaufsaktiv empfehlen |
| Dogs | niedrig | niedrig | Streichen oder neu konzipieren |
Bei Gastro Master sehen wir in Kassen-Reporting-Auswertungen immer wieder: Gerade Plowhorses (z. B. Schnitzel mit Pommes, klassische Pizza Margherita) brauchen regelmäßig eine Portions- und Aufschlag-Review. Und Dogs sollten nicht aus Sentimentalität auf der Karte bleiben, nur weil "das Gericht seit 15 Jahren dabei ist".
Der 5-Schritte-Kalkulations-Workflow
Ein belastbarer Kalkulationsprozess läuft in fünf Schritten — unabhängig davon, ob Ihr Excel, eine Branchensoftware oder Euer Kassen-Backend nutzt.
Action-Checklist: Kalkulations-Workflow in 5 Schritten
- ☐ Schritt 1 — Rezepturen standardisieren: Für jedes Gericht eine saubere Rezeptur mit Grammaturen pro Portion anlegen (inkl. Garnitur, Saucen, Brot, Beilagen).
- ☐ Schritt 2 — Einkaufspreise aktualisieren: Einkaufspreise netto aus dem letzten vollständigen Monat ziehen (nicht Listenpreise, sondern tatsächliche Durchschnittskosten aus Lieferantenrechnungen).
- ☐ Schritt 3 — Bruch & Schwund einrechnen: Aufschlag von typischerweise 3 bis 8 Prozent auf den Netto-Wareneinsatz für Rüstverlust, Bruch, Retouren, Rückstellungen.
- ☐ Schritt 4 — Zielquote ansetzen & Aufschlagsfaktor bestimmen: Pro Warengruppe (Vorspeisen, Hauptgang, Dessert, Getränke) eine Ziel-Food-Cost-Quote definieren.
- ☐ Schritt 5 — Verkaufspreise runden & psychologisch anpassen: Ergebnisse auf 9er-Endung oder glatte Zahlen runden, Preisanker auf der Karte setzen.
Digitale Werkzeuge beschleunigen das erheblich. Unser Kassensystem-Paket bringt Reporting, Warengruppen-Auswertung und Artikel-Renner/Penner-Listen direkt ins Tagesgeschäft — so lassen sich Food-Cost-Abweichungen zwischen Soll und Ist schnell erkennen. Wer ein Gesamtpaket aus Kasse, Bestellsystem und Analytics sucht, findet in unserer Restaurant-Lösung eine passende Grundlage. Für Cafés und Bäckereien haben wir eine eigene Café- und Bäckerei-Lösung mit angepasstem Reporting.
"Kalkulieren ist die stille Disziplin der Gastronomie. Wer sie pflegt, überlebt auch schwierige Jahre — wer sie vernachlässigt, merkt es zu spät."
— Redaktion Gastro Master
Finanzieller Impact: Beispielrechnung "Pasta mit Food-Cost 28 %"
Stellen wir uns ein typisches Pasta-Gericht vor: Spaghetti alle Vongole, 120 g Pasta, 250 g Venusmuscheln, Knoblauch, Petersilie, Olivenöl, Weißwein, Chili.
| Posten | Menge | Einkauf netto | Kosten |
|---|---|---|---|
| Spaghetti | 120 g | 2,20 EUR/kg | 0,26 EUR |
| Venusmuscheln | 250 g | 14,00 EUR/kg | 3,50 EUR |
| Olivenöl | 30 ml | 12,00 EUR/l | 0,36 EUR |
| Knoblauch/Petersilie/Chili | Pauschal | — | 0,25 EUR |
| Weißwein | 40 ml | 6,00 EUR/l | 0,24 EUR |
| Brot als Beigabe | 80 g | 3,50 EUR/kg | 0,28 EUR |
| Zwischensumme netto | 4,89 EUR | ||
| + 6 % Bruch/Schwund | 0,29 EUR | ||
| Wareneinsatz netto final | 5,18 EUR |
Bei einer Ziel-Food-Cost-Quote von 28 Prozent ergibt das:
- Aufschlagsfaktor: 100 / 28 = 3,57
- Netto-Verkaufspreis: 5,18 EUR × 3,57 = 18,49 EUR
- Brutto-Verkaufspreis (19 % MwSt, Vor-Ort-Verzehr): 18,49 × 1,19 = 22,00 EUR
- Psychologisch gerundet: 21,90 EUR (9er-Endung) oder 22,00 EUR (Fine-Dining-Gefühl)
Stat-Callout #2: Jede Preisverschiebung um 1,00 EUR pro Hauptgericht verändert bei 60 Couverts und 25 Öffnungstagen den Jahres-Deckungsbeitrag um rund 18.000 EUR — rechnerisch ein starker Hebel, den viele Betriebe durch unsaubere Rundung verschenken.
Wenn Ihr zusätzlich Zahlungsgebühren (z. B. 1,5 Prozent) und Personalkostenaufschläge einrechnet, landet der faire Verkaufspreis häufig eher bei 22,90 EUR — und das ist 2026 ein marktüblicher Pasta-Preis in guter Vollgastronomie.
12 häufige Fragen zur Speisekarten-Kalkulation
1. Welche Food-Cost-Quote ist branchenüblich?
Als Faustregel gelten 25 bis 35 Prozent je nach Konzept. Pizzerien und Systemgastronomie liegen meist darunter, Fine Dining darüber. Branchenreports von DEHOGA und AHGZ 2025 bestätigen, dass die Quoten im Schnitt durch gestiegene Einkaufspreise um 2 bis 4 Prozentpunkte nach oben gerutscht sind.
2. Wie kalkuliere ich 7 Prozent MwSt (Speisen außer Haus) vs. 19 Prozent (Vor-Ort-Verzehr)?
Seit Januar 2024 gilt im Restaurant auf Speisen wieder der reguläre Satz von 19 Prozent, beim Take-away und Liefergeschäft weiter 7 Prozent. Getränke liegen grundsätzlich bei 19 Prozent (außer Milch- und bestimmte Wasserprodukte). In der Kalkulation rechnen wir immer netto nach oben und weisen den MwSt-Satz erst beim Verkaufspreis aus. Details und steuerliche Weichmacher liefert unser Ratgeber MwSt Gastronomie 2026 — konkrete Einzelfälle bitte mit der Steuerberatung klären.
3. Welcher Aufschlagsfaktor für Pizzeria, Italienisch und Fine Dining?
Grober Richtwert: Pizzeria 4,0–4,5x, klassisch-italienisch 3,5–4,0x, Fine Dining 2,8–3,3x (weil höhere Einkaufspreise den Aufschlag mechanisch drücken — ausgeglichen wird dort typischerweise über Weine und Package-Menüs).
4. Wie preise ich Rohstoff-Preisschwankungen ein?
Drei bewährte Hebel: (1) Sicherheitsaufschlag von 3 bis 8 Prozent auf den Netto-Wareneinsatz, (2) Quartalsreview der Einkaufspreise und (3) saisonale Karten, die teure Zutaten (Olivenöl, Fisch, Fleisch) nicht fixieren. Bei stark schwankenden Positionen empfehlen wir, in der Karte mit "tagespreis" zu arbeiten — rechtlich unbedenklich, wenn der Preis beim Bestellen mündlich oder digital sichtbar ist.
5. Was sind sinnvolle psychologische Preisstrategien?
- 9er-Endung (z. B. 12,90 EUR) wirkt im Casual-Segment wie "günstiger gefühlt".
- Glatte Zahlen (z. B. 22,00 EUR) signalisieren im Fine-Dining-Segment Wertigkeit.
- Preisanker (ein teures Gericht ganz oben) lässt die Mitte "fair" wirken.
- Charm Pricing ohne Euro-Symbol (nur "22" statt "22,00 EUR") reduziert nachweislich Preiswahrnehmung.
- Vermeiden: identische Preise für unterschiedliche Gerichte — das wirkt kalkuliert, nicht kuratiert.
6. Wie oft sollte ich die Karte neu kalkulieren?
Wir empfehlen ein monatliches Spot-Check-Monitoring der Food-Cost-Quote aus dem Kassen-Reporting plus eine vollständige Neukalkulation pro Quartal bzw. bei jeder größeren Kartenänderung. In Zeiten starker Rohstoffinflation wie 2023 bis 2025 kann eine monatliche Komplettkalkulation nötig sein.
7. Wie rechne ich Bruch und Schwund ein?
Typische Pauschalen aus der Praxis: 3 bis 5 Prozent bei Trockenwaren, 5 bis 8 Prozent bei Frischware (Gemüse, Fisch, Fleisch), 8 bis 12 Prozent bei Hochbruchwaren (Glas, Wein, Hochpreisige). Diese Werte werden auf den Netto-Wareneinsatz aufgeschlagen, bevor der Aufschlagsfaktor greift.
8. Wie setze ich Portionskontrolle konsequent um?
Drei Ebenen: (1) Rezepturen mit Grammatur (nicht nach Gefühl), (2) Portionswaagen im Pass, (3) Monitoring via Kassen-Reporting — wenn ein Pasta-Gericht plötzlich 6 statt 5 Portionen pro Kilo Pasta liefert, zeigt der Ist-Wareneinsatz pro 100 EUR Umsatz eine Abweichung zum Soll. Unsere Kassensystem-Pakete visualisieren solche Soll-Ist-Vergleiche.
9. Muss ich Lohnkosten in die Food-Cost einrechnen?
Nein — Food-Cost bezieht sich nur auf den Wareneinsatz. Personalkosten gehören zur Prime Cost (Wareneinsatz + Personalkosten), deren Richtwert in der Vollgastronomie bei rund 60 bis 65 Prozent vom Netto-Umsatz liegt. Mehr zur Personalseite in unserem Mindestlohn-Gastronomie-Ratgeber und zur Gesamt-Buchhaltung in den Buchhaltung-Grundlagen.
10. Menu Engineering — was bringt es konkret?
In Fallstudien der Hotellerie- und Gastronomie-Fachpresse (AHGZ, FoodService) berichten Betriebe von 3 bis 8 Prozent Deckungsbeitragssteigerung allein durch Kartenumgestaltung (Reihenfolge, Platzierung, Beschreibung, Preisanker) — ohne Rezepturen zu ändern. Menu Engineering ist dabei ein quartalsweise wiederkehrender Prozess, kein Einmalprojekt.
11. Wie kalkuliere ich Weine und Cocktails?
Getränke-Food-Cost liegt branchenüblich bei 18 bis 25 Prozent — also deutlich günstiger als Speisen. Weine werden typischerweise mit Aufschlagsfaktor 3 bis 4x auf den Netto-EK kalkuliert, bei Premiumweinen eher 2,5x, bei offenen Weinen bis 5x. Cocktails werden in der Regel mit einem festen Deckungsbeitrag pro Glas gerechnet (typisch 6–9 EUR Deckungsbeitrag), nicht über Aufschlagsfaktor. Details folgen im Cluster-5-Post zu Getränkekalkulation (in Vorbereitung).
12. Welche Software unterstützt bei der Kalkulation?
- Manuell/Excel: Einstieg, aber fehleranfällig und schlecht skalierbar.
- Kassensystem mit Artikel-Reporting: Zeigt Renner, Penner und Durchschnitts-Wareneinsatz (Soll/Ist). Unser Kassensystem-Paket deckt das ab.
- Spezialisierte F&B-Kalkulationssoftware: Arbeitet mit Rezepturen, Einkaufspreisen und automatischen Updates — sinnvoll ab mehreren Standorten oder bei stark wechselnden Rohstoffen.
Wie echte Betriebe das in der Praxis nutzen
"Seit wir die Karte jeden Quartal neu durchrechnen, ist unsere Food-Cost-Quote um 2,8 Prozentpunkte gesunken. Keine Magie — einfach saubere Zahlen."
— Betreiber italienisches Restaurant, Köln (Auszug aus Google-Bewertungen zu Gastro Master Partnern)
"Vorher haben wir geschätzt, heute kalkulieren wir. Der Unterschied in der Monatsauswertung ist vierstellig."
— Café-Betreiberin, Hamburg
Solche Stimmen zeigen: Kalkulation ist keine kaufmännische Nebensache, sondern das stille Betriebssystem profitabler Gastronomie. Wer Datenbasis und digitale Kasse kombiniert, macht den Unterschied im Monatsergebnis sichtbar — ohne Bauchgefühl.
Fazit: Kalkulieren ist keine Kür, sondern Pflicht
Die Speisekarte ist das wichtigste Verkaufswerkzeug in der Gastronomie — und zugleich das am häufigsten unterschätzte. Wer 2026 seine Karten mit sauberer Food-Cost-Logik, realistischen Aufschlagsfaktoren, MwSt-Klarheit und Menu-Engineering-Blick neu aufsetzt, schafft sich einen Margenpuffer, der bei der nächsten Rohstoff- oder Lohnwelle den Unterschied zwischen "schwierig" und "existenzbedrohend" ausmacht.
Unsere Empfehlung: Startet mit einem Quartals-Kalkulationsrhythmus, nutzt ein Kassensystem mit Reporting, und verbindet die Zahlen mit einem regelmäßigen Menu-Engineering-Review. Wer zusätzlich die Mehrwertsteuer-Szenarien, Zahlungsgebühren und Lohnentwicklung im Blick behält, steht 2026 auf solidem Fundament.
Bei Gastro Master begleiten wir Betriebe auf genau diesem Weg — von der ersten Kassen-Einrichtung über Reporting-Schulungen bis zur kontinuierlichen Optimierung. Wenn Ihr Unterstützung bei der Systemwahl oder beim Reporting-Setup braucht, meldet Euch gerne direkt über unser Kontaktformular — wir hören zu, bevor wir empfehlen. Und wenn Ihr tiefer einsteigen wollt, findet Ihr in unserem Cluster 5 "Finanzen & BWL" in den kommenden Wochen ergänzende Ratgeber zu Getränkekalkulation, Deckungsbeitragsrechnung und Liquiditätsplanung. Ein weiterer hilfreicher Einstieg ist unser Marketing-Budget-Guide, der zeigt, wie sich Kalkulation und Vermarktung im Jahresplan verzahnen.
Über die Autoren: Dieser Beitrag wurde von der Redaktion von Gastro Master erstellt — einem Team aus erfahrenen Gastronomie-Beraterinnen, Kassen-Spezialistinnen und Branchenkennern, die seit über einem Jahrzehnt Restaurants, Cafés und Pizzerien beim Aufbau profitabler digitaler Prozesse begleiten. Die hier genannten Prozentwerte und Benchmarks basieren auf öffentlich verfügbaren Branchenreports (DEHOGA, Destatis, Statista, AHGZ, BMEL) und unserer Beratungspraxis 2024–2026. Für individuelle steuerliche und betriebswirtschaftliche Fragen empfehlen wir die Rücksprache mit Steuerberatung oder IHK.
Quellen (Auswahl):
- DEHOGA Bundesverband — Konjunkturumfragen und Branchenberichte 2025
- Statistisches Bundesamt (Destatis) — Erzeugerpreisindex Lebensmittel 2024/2025
- Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) — Lebensmittelpreis-Monitor
- Statista Deutschland — Food-Cost- und Wareneinsatzquoten Gastronomie
- AHGZ / FoodService — Branchen-Benchmarks Gastronomie 2025
- Mindestlohnkommission — Mindestlohn-Beschluss 2026