Nachhaltige Verpackung im Restaurant 2026: Mehrwegpflicht, EWKFondsG und rechtssichere Umsetzung
Von René Ebert & Sanjaya Pattiyage · · 10 Min. Lesezeit · Betrieb & Service
Scope dieses Beitrags — bitte beachten: Dieser Artikel ist bewusst ein Deep-Dive ausschließlich zu Verpackung. Die übergreifende Strategie mit den fünf Säulen…
Das Wichtigste auf einen Blick das Wichtigste in 45 Sekunden
Die Richtung ist eindeutig: Der Gesetzgeber verteuert Einweg-Kunststoff St ck f r St ck, verpflichtet zu Mehrwegalternativen und sch rft die Werbestandards. Das Umweltbundesamt (UBA) beziffert das Aufkommen an Verpackungsabf llen in Deutschland seit Jahren im Bereich mehrerer Millionen Tonnen j hrlich; gro e Teile davon entfallen auf Take-away und Au er-Haus-Verpflegung. Zahlen schwanken je nach Erhebungsjahr, die Tendenz ist in den einschl gigen UBA-Berichten seit 2020 stabil nach oben.
Highlights aus diesem Beitrag
Pauschal eher nicht. Nach BGH I ZR 98/23 (Katjes, 27.06.2024) m ssen mehrdeutige Umweltbegriffe in der Werbung selbst erkl rt werden. Ab 27.03.2026 versch rft die EU-Richtlinie 2024/825 die Lage zus tzlich. Besser: konkrete, pr fbare Angaben wie zu 100 % aus recyceltem Papier oder DIN EN 13432 industriell kompostierbar . Keine Rechtsberatung bei konkreten Claims bitte anwaltlich pr fen lassen.
Entscheidend ist das UND nicht das ODER. Ein Caf mit 70 qm und 7 Mitarbeitenden ist genauso wenig befreit wie ein Imbiss mit 100 qm und 4 Mitarbeitenden. Selbst befreite Betriebe m ssen brigens durch sichtbare Schilder oder Informationstafeln auf die M glichkeit hinweisen, dass G ste eigene Mehrwegbeh ltnisse mitbringen d rfen ( 34 Abs. 3 VerpackG).
Die Rechnung geht erfahrungsgem ab einem Take-away-Anteil von ca. 15 % der Ums tze zugunsten Mehrweg auf allerdings mit gro en Schwankungen je nach Standort, R ckgabedichte und G steakzeptanz. Wer den Schritt plant, sollte sich einen Testlauf ber 3 Monate einplanen, bevor er komplett umstellt.
Häufige Fragen
Bin ich von der VerpackG § 33 Mehrwegpflicht betroffen?
Ja, es sei denn Ihr Betrieb erfüllt kumulativ beide Bedingungen aus § 34 VerpackG: höchstens 80 qm Verkaufsfläche UND höchstens 5 Beschäftigte. Beide Kriterien müssen gleichzeitig vorliegen.
Was ist das EWKFondsG und wie hoch ist die Abgabe?
Das Einwegkunststofffondsgesetz (seit 01.01.2024) verpflichtet Hersteller und Erstimporteure zu einer jährlichen Abgabe. Beispielhafte Sätze: 0,18 €/kg Lebensmittelbehälter, 1,24 €/kg Getränkebecher, 3,80 €/kg leichte Tragetaschen.
Muss ich bei LUCID registriert sein?
Die Registrierung bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister ist Pflicht für jeden, der verpackte Ware erstmals in Deutschland in Verkehr bringt. Bußgelder bis 200.000 € sind möglich.
Bio-basiert, biologisch abbaubar, kompostierbar — wo liegt der Unterschied?
Drei verschiedene Eigenschaften: Bio-basiert beschreibt die Herkunft, biologisch abbaubar die Zerfallsfähigkeit, kompostierbar den Zerfall in industrieller Kompostierung (nur mit DIN EN 13432).
DIN EN 13432 — welche Produkte erfüllen diese Norm?
Zertifiziert werden einzelne Produkte, erkennbar am Keimling-Logo. Typische zertifizierte Produkte: PLA-Trinkbecher, zuckerrohrbasierte Menüschalen, Papierbeutel ohne Kunststoffbeschichtung.
Welches Mehrweg-Pool-System passt zu uns?
Klassisches Pfandmodell (Recup/Rebowl) bewährt bei Cafés und Bäckereien. App-basierte Systeme (Vytal, Relevo) oft attraktiv für Systemgastronomie und Lieferdienste. Testlauf über 3 Monate empfohlen.
Darf ich meine Verpackung als umweltfreundlich bewerben?
Pauschal eher nicht. Nach BGH I ZR 98/23 (Katjes, 27.06.2024) müssen mehrdeutige Umweltbegriffe in der Werbung selbst erklärt werden. Besser: konkrete Angaben wie DIN EN 13432 industriell kompostierbar.
Wie hoch ist das Pfand bei Mehrweg-Systemen typischerweise?
Klassische Pfandmodelle: 1 € pro Becher, 5 € pro Bowl/Schale. App-basierte Systeme arbeiten oft pfandfrei und ziehen bei Verlust 5–10 € pro Behälter ein.
Kann ich Einweg komplett abschaffen?
Technisch ja, betriebswirtschaftlich je nach Standort herausfordernd. Ein hybrider Ansatz (Mehrweg als Standard, Einweg auf Nachfrage mit Aufpreis) funktioniert in vielen Betrieben besser.
Wie integriere ich Mehrweg-Pfand in mein Kassensystem?
Moderne POS-Systeme führen das Pfand als eigenen Artikel mit +Pfand / -Pfand-Logik. Das Kassensystem-Paket von Gastro Master unterstützt Pfandverwaltung und Pool-Anbieter-Integration nativ.
Was ändert sich durch die EU-Richtlinie 2024/825?
Umsetzung in deutsches Recht bis 27.03.2026, Anwendung ab 27.09.2026. Kernelemente: Verbot pauschaler Umweltclaims ohne Nachweis, strengere Anforderungen an Nachhaltigkeitssiegel.
Welche Bußgelder drohen bei Nicht-Einhaltung?
Bei VerpackG-Verstößen sind Bußgelder bis 200.000 € pro Verstoß möglich. Zusätzlich sind UWG-Abmahnungen durch Wettbewerber und Verbraucherschutzverbände möglich.