Wenn du ein Restaurant mit Lieferservice führst, kennst du die Frage: Wie viel von einer 25-Euro-Bestellung bleibt dir wirklich, wenn sie über Lieferando läuft?
Die kurze Antwort: weniger, als die meisten Gastronomen vor der Anmeldung kalkulieren. Die längere Antwort hängt von drei Hebeln ab — dem gewählten Provisionsmodell, der Servicegebühr seit April 2025, und davon, welche Zusatzleistungen du buchst.
Wir vom Team hinter Gastro Master bekommen dieses Thema in fast jedem Erstgespräch auf den Tisch. Mal von Pizzerien, die seit zehn Jahren bei der Plattform sind. Mal von Sushi-Konzepten, die gerade gründen und vergleichen wollen. Was uns auffällt: Die offiziellen Zahlen sind weniger geheim, als viele denken — sie liegen auf lieferando.de/de/restaurant-anmelden und im Newsroom des Mutterkonzerns Just Eat Takeaway.com. Sie werden nur selten zusammenhängend dargestellt.
Genau das machen wir hier. Dieser Beitrag ist keine Bewertung, ob Lieferando "gut" oder "schlecht" für dein Restaurant ist — diese Entscheidung kann nur dein Steuerberater mit Blick auf deine konkrete Kostenstruktur treffen. Es ist ein nüchterner Überblick über die offiziell kommunizierten Provisionen, Gebühren und Mechanismen — plus ein einfaches Rechenmodell, mit dem du selbst kalkulieren kannst.
Stand aller Angaben: April 2026.
Das Wichtigste auf einen Blick Die wichtigsten Fakten
- 13 % Provision bei Eigenlieferung (Restaurant liefert selbst) — laut Lieferando-Restaurantanmeldung, Stand 04/2026.
- Bis 30 % Provision bei Nutzung der Lieferando-Kuriere — gleiche Quelle.
- Neue Servicegebühr seit 02.04.2025: 2,5 % des Warenkorbwerts, gedeckelt auf 0,99 € pro Bestellung, gezahlt vom Endkunden, nur bei Lieferung — laut offiziellem Lieferando-Kundenservice-Artikel.
- Marktposition: Lieferando wird in Brancheneinschätzungen mit einem Marktanteil von rund 70–75 % im deutschen Online-Plattformbereich eingeordnet.
- DEHOGA-Position: Der Branchenverband empfiehlt Restaurants, parallel zu Plattformen eigene Direktkanäle aufzubauen.
Marktkontext: Plattform-Bestellungen in Deutschland 2026
Bevor wir über Prozentsätze reden, ein Blick auf den Rahmen.
Der deutsche Markt für Online-Bestellungen bei Restaurants ist in den letzten Jahren strukturell gewachsen. Statista und Branchenanalysen wie Mordor Intelligence zeigen für 2025/2026 ein zweistelliges Wachstum bei plattformvermittelten Lieferungen — getrieben durch Convenience, urbane Verdichtung und veränderte Bestellroutinen jüngerer Zielgruppen.
In diesem Markt nimmt Lieferando (betrieben von Just Eat Takeaway.com N.V., Amsterdam) eine dominante Stellung ein. Branchenmedien wie ad-hoc-news.de und unabhängige Statista-Auswertungen ordnen den Marktanteil im Online-Plattformsegment auf etwa 70–75 % ein, vor Wolt (DoorDash-Konzern) und Uber Eats. Konkrete Zahlen, die sich aus dem Half Year 2025-Report von Just Eat Takeaway ableiten lassen: Die europäische Region (in der Lieferando den größten Anteil stellt) generierte 2024 ein Bruttotransaktionsvolumen (GTV) von rund 8 Mrd. € — und Lieferando bildet dort eine der wichtigsten Säulen.
Was bedeutet das für dein Restaurant? Drei Dinge:
- Reichweite ist real. Wer in Deutschland einen Lieferdienst betreibt und sich dafür entscheidet, auf Lieferando nicht gelistet zu sein, verzichtet auf einen Teil der gewohnten Suchpfade vieler Endkunden.
- Abhängigkeit ist real. Je höher der Umsatzanteil über eine einzige Plattform, desto höher das Risiko bei Änderungen ihrer Konditionen.
- Kostenfrage ist nicht binär. Es geht selten um "Lieferando ja oder nein" — sondern um den Mix aus Plattform-Reichweite und eigenen Direktbestellkanälen.
Genau diesen Mix bauen wir in unseren Kundenprojekten regelmäßig auf — meist über den Gastro-Master-Online-Bestellshop, der ohne Provision pro Bestellung arbeitet und die Plattform-Listings ergänzt, statt sie zu ersetzen.
Auch der DEHOGA Bundesverband vertritt seit Jahren die Position, dass Gastronomen parallel zu Plattformen eigene Direktbestellkanäle pflegen sollten — nicht aus Plattform-Feindlichkeit, sondern aus Risikoverteilung. Diese Empfehlung ist auf dehoga-bundesverband.de öffentlich dokumentiert.
Wie hoch ist die Lieferando-Provision wirklich?
Hier die Faktenlage, wie sie auf der offiziellen Restaurant-Anmeldeseite und in öffentlichen Aussagen des Mutterkonzerns kommuniziert wird (Stand 04/2026):
1. Eigenlieferung: 13 % Provision
Wenn dein Restaurant selbst ausliefert (mit eigenen Fahrern oder eigenem Logistikpartner), beträgt die Provision laut Lieferando 13 % des Bestellwerts.
Diese 13 % gelten als Standardmodell — laut DEHOGA-Aussagen in Branchenmedien betrifft das rund 90 % aller gelisteten Restaurants in Deutschland. Die Plattform übernimmt in diesem Modell:
- Listing im Marktplatz
- Kundengewinnung & Reichweite
- Bestellabwicklung & Bezahlung
- Kundenservice in Erstinstanz
Was sie nicht übernimmt: die Lieferung selbst, das Fahrer-Management, die Auslieferungslogistik.
2. Lieferando-Lieferung ("Scoober"): bis zu 30 % Provision
Buchst du zusätzlich den Lieferando-eigenen Kurierdienst, steigt die Provision laut offiziellen Angaben und mehrfach zitierten DEHOGA-Quellen auf bis zu 30 % des Bestellwerts.
In diesem Modell stellt Lieferando die kompletten Auslieferungsprozesse: Fahrer, App, Routing, Versicherungen. Für Restaurants ohne eigene Fahrerflotte (z. B. innerstädtische Konzepte mit kleiner Küche) kann das ein operativer Vorteil sein. Der Preis dafür ist die deutlich höhere Provision.
3. Servicegebühr seit April 2025
Eine wichtige Änderung der jüngeren Vergangenheit: Seit dem 2. April 2025 erhebt Lieferando laut eigenem Kundenservice-Artikel eine zusätzliche Servicegebühr direkt vom Endkunden:
- Höhe: 2,5 % des Warenkorbwerts
- Deckelung: maximal 0,99 € pro Bestellung
- Anwendung: ausschließlich bei Lieferung (nicht bei Selbstabholung)
- Sichtbarkeit: im letzten Bestellschritt im Warenkorb
Diese Gebühr trifft das Restaurant nicht direkt in Form einer höheren Provision — sie wird vom Endkunden bezahlt. Sie wirkt aber indirekt über den Warenkorb: Höhere Endpreise können das Bestellverhalten beeinflussen. Lieferando selbst hat im Zuge dieser Änderung zugleich die bisherige Transaktionsgebühr (z. B. PayPal-Aufschlag) entfallen lassen.
4. Was offiziell nicht kommuniziert wird
Lieferando nennt auf der Restaurantseite keine monatliche Grundgebühr und keine verpflichtenden Setup-Kosten. In der Praxis berichten Restaurants laut Branchenmedien und DEHOGA-Statements jedoch von:
- Aktivierungs-/Onboarding-Pauschalen in Einzelfällen
- Optionalen Marketing-Add-Ons für bessere Listing-Platzierung (Top-Listing, Sponsored Slots)
- Hardware-/Tablet-Pauschalen bei Bedarf
Diese Komponenten variieren je nach Restaurant, Region und Vertragsverhandlung. Sie sind kein öffentlich kommunizierter Standard. Wer Klarheit will, sollte die individuellen Konditionen direkt vom Lieferando-Vertrieb schriftlich einholen, bevor er unterschreibt.
Welche Zusatzkosten kommen neben der Provision dazu?
Über die reine Provision hinaus gibt es weitere Kostenpositionen, die in der Plattform-Kalkulation oft unterschätzt werden. Wir listen sie nüchtern auf — die Höhe variiert stark je nach Restaurant.
Mögliche Plattform-Add-Ons
| Position | Wirkung auf das Restaurant |
|---|---|
| Sponsored Listing / Top-Position | Höhere Sichtbarkeit, zusätzlicher Marketingbudget-Aufwand |
| Aktionsteilnahmen (Rabatte, Gutscheine) | Restaurant trägt Rabatt-Anteil, Plattform-Sichtbarkeit steigt |
| Tablet/Hardware-Pauschalen | Optional, einmalig oder monatlich |
| Aktivierungs-/Setup-Pauschale | In Einzelfällen, vertraglich verhandelbar |
| Premium-Kategorien | Aufschläge für bessere Sortier-Position in Suche/Filter |
Indirekte Kosten (oft übersehen)
Auch ohne zusätzliche Add-Ons entstehen Kosten, die in der reinen Provisionsbetrachtung untergehen:
- Verpackungskosten: Liefergerechte Boxen, Tüten, Etiketten — pro Bestellung 0,30–1,20 €
- Schwund / Reklamationen: Falsche Lieferungen, Stornos, Kulanzgutschriften
- Fahrer-Lohnkosten bei Eigenlieferung (Stundenlohn, Pauschalen, Kfz-Pauschalen)
- Rechnungs- & Buchhaltungsaufwand durch zusätzliche Plattform-Belege
- Steuerliche Behandlung der Servicegebühr (Abstimmung mit Steuerberater empfohlen)
Wie kalkuliert man den realen Plattform-Kostenanteil?
Hier eine einfache Formel für eine ehrliche Bestandsaufnahme. Sie liefert keine Steuerberatung, aber eine belastbare erste Hausnummer.
Schritt 1: Bruttoumsatz pro Plattform erfassen
Nimm 3 Monatsabrechnungen von Lieferando (oder deiner Plattform). Notiere für jeden Monat:
- Bruttoumsatz Plattform
- Provisionsabzug
- Aktionsabzüge (Rabatte, Gutscheine)
- Auszahlung netto
Schritt 2: Eigenkosten dazurechnen
- Verpackungskosten (Schätzwert × Bestellanzahl)
- Fahrerkosten (bei Eigenlieferung)
- Anteilige Kreditkarten-/Online-Zahlungskosten (sofern nicht inkludiert)
Schritt 3: Den realen Take-Home pro 100 € Bestellung berechnen
Beispiel Eigenlieferung: Bruttobestellung 100,00 € - Lieferando-Provision (13 %) -13,00 € = Auszahlung Plattform 87,00 € - Wareneinsatz (~30 %) -30,00 € - Verpackung (~1 €) -1,00 € - Fahrer-Anteilskosten (~6 €) -6,00 € = Deckungsbeitrag 50,00 €Bei 30 % Plattform-Lieferung sieht es so aus:
Bruttobestellung 100,00 € - Lieferando-Provision (30 %) -30,00 € = Auszahlung Plattform 70,00 € - Wareneinsatz (~30 %) -30,00 € - Verpackung (~1 €) -1,00 € = Deckungsbeitrag 39,00 €Diese Werte sind Beispielrechnungen. Deine realen Margen können nach oben oder unten abweichen — abhängig vom Wareneinsatz, Personalmodell und Bestellmix.
Wichtig: Der Vergleichspunkt ist nicht "Plattform vs. nichts" — sondern "Plattform vs. eigener Bestellkanal", bei dem die 13–30 % Plattform-Provision wegfallen, dafür aber eine monatliche Pauschale für das eigene System anfällt (in der Regel deutlich unter dem Provisionsbetrag bei nennenswertem Volumen).
Genau diese Vergleichsrechnung ist der Kern unserer Erstgespräche bei Gastro Master — wir bauen sie für jeden Kunden mit den realen Zahlen aus seinen Plattform-Abrechnungen.
Was Restaurants konkret tun können
Drei Bausteine, die wir in unseren Kundenprojekten regelmäßig einsetzen — geordnet nach Aufwand:
Baustein 1: Eigenkalkulation transparent machen
Bevor du etwas änderst, sorge für Klarheit über den Status quo. Drei Monate Plattform-Abrechnung in eine einfache Excel-Datei einlesen. Provisionsanteil pro Monat, Rabattanteil, Auszahlungsbetrag, eigene Zusatzkosten. Wer das einmal sauber gemacht hat, redet beim nächsten Plattform-Vertragsgespräch und beim nächsten Steuertermin auf einer anderen Faktenbasis.
Baustein 2: Eigenen Bestellkanal aufbauen — als Ergänzung
Hier liegt für die meisten Restaurants der größte Hebel: ein eigener Direktbestellkanal, der die Plattform nicht ersetzt, sondern flankiert. Stammkunden, die ohnehin gezielt bei dir bestellen wollen, brauchen keinen Plattform-Umweg — sie sparen sich die Servicegebühr, du sparst die Provision.
Das ist der Kerngedanke hinter dem Gastro-Master-Online-Bestellshop (Browser-basiert, kein App-Download für Endkunden nötig) und der Bestell-App von Gastro Master (native iOS/Android-App, Push-Notifications, Loyalty-Integration). Beide arbeiten mit fester Monatspauschale, ohne Provision pro Bestellung.
Wichtig — und das sagen wir auch unseren Kunden offen: Ein eigener Kanal ersetzt nicht die Reichweite einer Plattform mit zweistelligem Marktanteil. Er ergänzt sie. Der wirtschaftliche Effekt entsteht über Zeit, nicht über Nacht.
Baustein 3: Lieferdienst-Infrastruktur aufbauen oder erweitern
Wer ohnehin überlegt, vom Plattform-Lieferanteil (30 %) auf Eigenlieferung (13 %) umzusteigen, braucht eine funktionierende Fahrerlogistik. Dazu gehören Schichtplanung, Routenplanung, Live-Tracking, Übergabeprotokolle.
Das deckt unsere Fahrer-App mit Live-GPS-Tracking ab — ein Add-On, das auf den Online-Bestellshop oder das Kassensystem aufgesetzt wird und die typischen Logistik-Engpässe kleinerer Lieferdienste adressiert. Für Restaurants, die ihren Lieferbereich strukturiert ausbauen wollen, gibt es zusätzlich unsere Lieferdienst-Lösung, die alle drei Bausteine zusammenfasst.
Action-Checklist für die nächsten 30 Tage
- ☐ 3 Monate Plattform-Abrechnungen in einer Excel sauber aufbereiten
- ☐ Steuerberater fragen: "Wie wird die Servicegebühr in meiner Buchhaltung sauber abgebildet?"
- ☐ Einen Vergleichswert berechnen: Was würde dasselbe Bestellvolumen über einen eigenen Kanal kosten?
- ☐ Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen der Plattform prüfen
- ☐ Ein Direktbestell-Pilotprojekt starten — z. B. mit Stammkunden + Pickup-Bestellungen
Rechenbeispiel: 30.000 € Monatsumsatz über Lieferando
Ein vereinfachtes Beispielrestaurant, das ausschließlich Eigenlieferung nutzt:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Bruttoumsatz Plattform / Monat | 30.000 € |
| Lieferando-Provision (13 %) | −3.900 € |
| Auszahlung Plattform netto | 26.100 € |
Annahme Vergleichsszenario: Würde derselbe Umsatz hälftig (15.000 €) über einen eigenen Bestellkanal laufen, blieben dort die 13 % Provision (entspricht 1.950 €) im Restaurant. Dem stehen die Monatskosten für ein eigenes System gegenüber — typischerweise dreistellig pro Monat plus einmalige Setup-Kosten.
Bei einem Restaurant mit mittlerem Plattform-Umsatz amortisiert sich ein eigenes Bestellsystem in der Regel innerhalb weniger Monate, sobald nennenswerter Stammkunden-Umsatz darüber abgewickelt wird. Die genaue Amortisationsdauer hängt von deinem Mix ab — und ist eine Rechnung, die wir in jedem Erstgespräch konkret für deinen Betrieb durchgehen.
Wer tiefer in die ROI-Mathematik einsteigen will, findet im Beitrag Was kostet ein Bestellsystem? eine Schritt-für-Schritt-Aufstellung der typischen Kosten- und Nutzenpositionen.
FAQ — Häufige Fragen zur Lieferando-Provision
1. Wie hoch ist die Lieferando-Provision 2026?
Laut den offiziellen Angaben auf lieferando.de (Stand 04/2026) liegt die Standardprovision bei 13 % bei Eigenlieferung und bis zu 30 % bei Nutzung der Lieferando-Kuriere. Die genauen Konditionen können je nach Restaurant, Standort und Vertragsverhandlung variieren.
2. Gibt es eine monatliche Grundgebühr bei Lieferando?
Auf der offiziellen Restaurant-Anmeldeseite wird keine monatliche Grundgebühr als Standardkomponente kommuniziert. Lieferando verdient primär über die Provision pro Bestellung. Optionale Add-Ons (Sponsored Listings, Tablets etc.) können zusätzliche Kosten verursachen.
3. Was ist die Lieferando-Servicegebühr seit April 2025?
Lieferando hat zum 2. April 2025 eine Servicegebühr von 2,5 % des Warenkorbwerts (max. 0,99 € pro Bestellung) eingeführt, die direkt vom Endkunden bezahlt wird — ausschließlich bei Lieferungen, nicht bei Selbstabholung. Die bisherige Transaktionsgebühr (z. B. PayPal) ist im Gegenzug entfallen. (Quelle: lieferando.de Kundenservice-Artikel)
4. Welcher Marktanteil hat Lieferando in Deutschland?
Branchenmedien und Statista-Auswertungen ordnen Lieferando 2026 mit einem Marktanteil von rund 70–75 % im Online-Plattformbereich ein, deutlich vor Wolt und Uber Eats. Diese Zahlen sind Marktforschungs-Schätzungen, keine offiziellen Konzernangaben.
5. Lohnt sich Lieferando trotz der Provision?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten — sie hängt von deinem Wareneinsatz, deinem Bestellmix und dem Anteil der Plattform am Gesamtumsatz ab. Faustregel: Je höher der Anteil von Stammkunden und Direktbestellungen, desto eher lohnt sich ein Hybrid-Modell aus Plattform plus eigenem Bestellkanal.
6. Wie kann ich die Provision reduzieren, ohne die Plattform zu verlassen?
Drei Hebel: (1) Eigenlieferung statt Plattform-Lieferung (13 % statt 30 %), (2) Eigenkanäle für Stammkunden aufbauen, sodass diese ohne Plattform-Provision bestellen, (3) Vertragskonditionen schriftlich neu verhandeln, sobald dein Bestellvolumen relevant wird.
7. Welche offiziellen Quellen gibt es zur Lieferando-Kostenstruktur?
Die zwei verlässlichsten öffentlichen Quellen sind: die Restaurant-Anmeldeseite von Lieferando und der Newsroom des Mutterkonzerns Just Eat Takeaway.com. Branchenmedien wie AHGZ, Tageskarte und Business Insider greifen DEHOGA-Statements zum Thema regelmäßig auf.
8. Was sagt der DEHOGA zu den Provisionen?
Der DEHOGA Bundesverband empfiehlt Restaurants laut öffentlich dokumentierter Position, eigene Direktbestellkanäle parallel zu Plattformen aufzubauen und nicht in eine Einkanal-Abhängigkeit zu geraten. Geschäftsführerin Ingrid Hartges hat in mehreren Interviews 30-Prozent-Provisionen als für viele Betriebe wirtschaftlich grenzwertig bezeichnet.
9. Kann ich gleichzeitig bei Lieferando und Wolt sein?
Ja — die Plattformen schließen sich nicht aus. Viele unserer Kunden nutzen Multi-Plattform-Strategien plus eigenen Direktkanal. Worauf zu achten ist: Preisparität (in welchen Konstellationen ist sie erlaubt?), getrennte Bestellabwicklung im Kassensystem, klare Lager-/Verfügbarkeitssteuerung. Mehr Hintergrund im Beitrag Wolt-Integration für Restaurants.
10. Wie schnell amortisiert sich ein eigenes Bestellsystem im Vergleich?
In der Praxis: oft innerhalb weniger Monate, sobald ein nennenswerter Anteil der Stammkundenbestellungen über den Eigenkanal läuft. Die exakte Amortisationsdauer hängt von Bestellvolumen, Setup-Kosten und Plattform-Provisionssatz ab. Beispielrechnungen findest du in unserem Beitrag Was kostet ein Bestellsystem?
11. Ist die Lieferando-Servicegebühr für mein Restaurant steuerlich relevant?
Diese Frage gehört in die Hand deines Steuerberaters. Da die Servicegebühr direkt vom Endkunden bezahlt wird, taucht sie in deinen Plattform-Auszahlungen anders auf als die Provision. Lass dir vom Steuerberater bestätigen, wie sie korrekt verbucht und deklariert wird.
12. Wo finde ich Alternativen zu Lieferando im Überblick?
Einen Marktüberblick zu Plattform-Alternativen geben wir im separaten Beitrag Alternativen zu Lieferando 2026 (Cluster 1, Batch 1). Eine grundlegende Diskussion der Pro-/Contra-Argumente findest du im Beitrag Warum auf Lieferando verzichten?
Schlusswort
Die Lieferando-Provision ist 2026 weder ein Geheimnis noch ein Skandal — sie ist eine kalkulierbare Größe, sobald du sie sauber gegen deine eigenen Zahlen rechnest. 13 % bei Eigenlieferung, bis zu 30 % bei Plattform-Lieferung, plus eine Servicegebühr seit April 2025, die der Endkunde trägt — das sind die Eckpfeiler.
Was die meisten Gastronomen unterschätzen, ist nicht die Provisionshöhe — es ist die strukturelle Abhängigkeit, die entsteht, wenn ein einzelner Vertriebskanal über Jahre hinweg den Großteil des Lieferumsatzes ausmacht. Genau hier setzt die Empfehlung des DEHOGA und unsere eigene Beratungspraxis an: Plattformen nutzen, aber mit einem eigenen Direktbestellkanal flankieren, der unabhängig vom Plattformverhalten wächst.
Wenn du wissen willst, wie eine konkrete Hybrid-Kalkulation für dein Restaurant aussieht — mit deinen realen Plattform-Abrechnungen als Grundlage — dann schreib uns direkt im Kontaktformular. Wir gehen die Zahlen mit dir durch, ohne Verkaufsdruck. Dauert in der Regel 30 Minuten.